Spinnen für Einsteiger

Die Echten Spinnen oder Webspinnen (Araneae) sind neben den Milben die artenreichste und ökologisch wichtigste Gruppe der Spinnentiere (Arachnida). Zu diesen gehören außerdem noch die Weberknechte, die Skorpione, die winzigen Pseudoskorpione und einige weitere weniger artenreiche Gruppen, die hauptsächlich in wärmeren Regionen vorkommen.

Leicht erkennbar ist, dass die Spinnentiere zu den Gliederfüßern (Arthropoda) gehören. Die Gliederfüßer sind die artenreichste Tiergruppe auf der Erde. Zu ihnen gehören neben den Spinnentieren (8 Beine) auch die Krebse (10 oder mehr Beine) und die Insekten (6 Beine) sowie die Hundert- und Tausendfüßer (18-750 Beine).

Wie erkennt man eine Spinne?

Echte Spinnen oder Webspinnen besitzen einen deutlich zweigeteilten Körper. Am Vorderkörper (Prosoma) sitzen die 4 Paar Laufbeine und ein weiteres Paar verkürzter Beine – die Taster (Pedipalpen). Ganz vorne sitzen die meist nach unten gerichteten Kieferklauen (Cheliceren) mit jeweils einem Grundglied und der Giftklaue. Auf der Oberseite des Vorderkörpers, meist nahe am Vorderrand, besitzen die meisten Spinnen acht Augen. Der Hinterkörper (Opisthosoma) ist über ein schmales Stielglied mit dem Vorderkörper verbunden und ist dadurch sehr gut beweglich. Das ist für die Webspinnen wichtig, um die am Ende des Hinterkörpers aus Spinnwarzen austretende Spinnseide sehr gezielt einsetzen zu können.

Wie groß werden Spinnen?

Die größten (Vogel-) Spinnen können als Erwachsene Körperlängen von bis zu 12 Zentimeter erreichen, die kleinsten Spinnen dagegen sind ausgewachsen nur einen halben Millimeter groß. Die meisten Arten – auch die tropischen – sind aber zwischen 0,5 und 5 cm groß. Allerdings können die teilweise sehr langen Beine viele Spinnen sehr groß erscheinen lassen. Bezüglich der  Beinspannweite sind eine tropische Riesenkrabbenspinnenart mit bis zu 30 cm und eine Vogelspinnenart mit bis zu 28 cm Rekordhalter.

Wie viele Spinnenarten gibt es?

Im Weltkatalog der Spinnen sind derzeit (Version 15.5, 2014) über 45.000 Spinnenarten in 114 Familien verzeichnet, mindestens doppelt so viele und bis über 200.000 werden auf der Grundlage verschiedener Methoden geschätzt (Agnarsson et al. 2013 in Spider Research in the 21st century). Damit gehören die Spinnen zu den sechs oder sieben artenreichsten Tiergruppen auf Ordnungsniveau.

Die Artenliste der Spinnen für Deutschland umfasst derzeit 1050 Arten, für
 die Schweiz 972 Arten. Selbst zu diesen, im Gegensatz zu tropischen Regionen, gut bekannten Faunen, kommen fast jedes Jahr neue Arten hinzu. Andererseits liegen nicht für alle für Deutschland gemeldeten Arten aktuelle Funde vor.

Biologie und Ökologie der Spinnen

Spinnen sind Räuber, die in allen Landlebensräumen der Erde mit vielen Arten und vielen Individuen zu finden sind. Sie leben in Wiesen, in Wäldern, im Gebirge und in Wüsten, in Höhlen und auf Gletschern, in der Gezeitenzone und mit einer Art (der Wasserspinne Argyroneta aquatica) sogar im Süßwasser.

Die meisten Arten sind Generalisten, die vor allem Insekten, aber auch andere Arthropoden, Spinnen eingeschlossen, erbeuten. Einige große Arten, wie Vogelspinnen, Riesenkrabbenspinnen oder Kammspinnen können gelegentlich auch kleine Säuger, Vögel, Echsen oder Frösche erbeuten. Große am Wasser lebende Spinnen überwältigen auch kleine Fische, Kaulquappen und Garnelen.

Spinnen sind strikter fleischfressend als andere räuberisch lebende Wirbellose wie z.B. Laufkäfer und Hundertfüßer. Sie werden als eine Modellgruppe für terrestrische Prädatoren gesehen und vielfach untersucht. In Untersuchungen von Nahrungsnetzen und Energieflüssen in Ökosystemen werden in der Regel die Spinnen einbezogen.

Einige biologische Besonderheiten der Spinnen, die auch ökologisch von Bedeutung sind:

Mit Ausnahme weniger Arten besitzen alle Spinnen Gift (vorwiegend Neurotoxine), das sie dazu verwenden ihre Beutetiere zu lähmen oder zu töten oder sich gegen Feinde zu verteidigen.

Die Nahrung wird extraintestinal – außerhalb des Körpers verdaut und als Flüssigkeit aufgenommen. Dadurch fallen wenig unverdaubare Nahrungsbestandteile an, somit werden nur wenige Exkremente abgesetzt. Die Exkretion, also die Stickstoffentsorgung, geschieht häufig über die Einlagerung von Guanin in den Körper, die beispielsweise bei der einheimischen Kreuzspinne als weiße Zeichnung auf dem Hinterkörper sichtbar wird.

Alle Spinnen stellen Spinnseide aus Eiweiß her. Mit unterschiedlichen Fadentypen werden die Eigelege geschützt, es werden Schlupfwinkel gebaut, Sicherungsfäden und Kommunikationsfäden gelegt und viele (aber nicht alle) Spinnen stellen Fanggewebe her. Viele Arten, die Fangnetze bauen, nützen darüber hinaus ihre Spinnfähigkeit auch um wehrhafte Beute einzuspinnen.

Spinnen können unter Hungerbedingungen ihre Stoffwechselrate stark herabsetzen und auf diese Weise lange Zeiträume (Monate) von Nahrungsknappheit gut überstehen. Die Kombination der Fähigkeit zum Hungern mit der Fähigkeit sich durch Fadenflug zu verbreiten und durch Fangnetze sehr effektiv Beute zu machen, z.B. verdriftete Insekten zu fangen, machen Spinnen zu erfolgreichen Erstbesiedlern – Pionieren. Deshalb treten Spinnen praktisch als erste Tiergruppe nach Überschwemmungen oder Vulkanausbrüchen oder auf Inseln auf und überleben dort, auch wenn noch keine eigenständige Pflanzendecke und Tierwelt vorhanden ist.

Wie giftig (gefährlich) sind Spinnen?

Bis auf wenige Arten, die ihre Giftdrüsen rückggebildet haben, benützen alle Spinnen Gift, um ihre Beutetiere zu lähmen oder zu töten. Sie sind damit für ihre Beute gefährlich giftig. Die Giftdrüsen im Vorderkörper erzeugen einen „Cocktail“ aus verschiedenen Bestandteilen (überwiegend Aminosäuren). Bei den bis heute untersuchten Arten herrschen Nervengifte (Neurotoxine) vor, also Gifte, die die Beute möglichst rasch bewegungsunfähig machen. Andere Bestandteile zerstören Gewebe, Zellen oder Blut.

Selbstverständlich gehört der Mensch für keine Spinnenart zum Beutespektrum. Entsprechend sind nur wenige Gifte von etwa 40 Arten weltweit für Menschen (lebens-) gefährlich. Keine dieser Arten lebt in Mitteleuropa.

Überhaupt kommt es nur selten zu Spinnenbissen bei Menschen. Die allermeisten Arten sind selbst bei Kontakt gar nicht in der Lage unsere kräftige Haut mit ihren Giftklauen zu durchdringen. Wenn eine Spinne doch mal zur Verteidigung einen Menschen beißt, wird meist kein oder nur wenig Gift injiziert, da dies für die Spinne eine Verschwendung eines wertvollen Produkts bedeutet.

Beim Biss der wenigen europäischen Spinnenarten (die überhaupt Menschen beissen können) kommt es zu meist nur kurz andauernden Reaktionen um die Bissstelle herum: Brennen, Rötung, Anschwellen, ähnlich wie bei Insektenstichen, bei manchen kommt es zu vorübergehender Gefühllosigkeit an der Stelle. Für zwei in Mitteleuropa einheimischen Arten (Dornfingerspinnen) sind stärkere Schmerzen und sogar Fieberschübe beschrieben worden.

Wenige Spinnenarten in wärmeren Regionen der Erde besitzen auf den menschlichen Organismus stark wirkende Giftkomponenten, die in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein können. Dazu gehören “Schwarze Witwen” (Latrodectus-Arten), Kammspinnen (Phoneutria-Arten) und die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus).

Spinnvermögen und Spinnseide

Die Fähigkeit Spinnseide zu produzieren ist mehrfach im Tierreich unabhängig entwickelt worden, vermutlich 23 mal innerhalb der Insekten und jeweils einmal bei Krebstieren, Tausendfüßern, Milben, Pseudoskorpionen und Spinnen. Für die Nutzung von tierischer Seide durch den Menschen sind vor allem Seidenspinner (Raupen des Maulbeerspinners – einer Schmetterlingsart) und die Echten Spinnen (Webspinnen) von Bedeutung.

Seidenproduktion ist eine Schlüsselfunktion der Spinnenbiologie: sie ist unverzichtbar für die Fortpflanzung – die Männchen übertragen die Spermien zunächst auf ein Netzchen und nehmen es von dort mit den sekundären Begattungsorganen der Pedipalpen auf – und schützt bei allen Spinnen als Kokon die Eier.

Im Gegensatz zu den Schmetterlingen und auch fast allen anderen Seide produzierenden Tieren spinnen alle Spinnenarten während ihres gesamten Lebenszyklus und die meisten können gleichzeitig mehrere Seidenarten produzieren um damit vielfache ökologische Funktionen zu erfüllen: für Sicherungsfäden, für den Kokonbau und zum “Fliegen am Fadenfloß”. Viele, aber nicht alle Spinnen stellen ein Netz her um Beute zu fangen. Spinnseide besteht aus Eiweißen, die in den Spinndrüsen im Hinterleib hergestellt werden. Die Seide ist im Spinnenkörper noch flüssig und wird erst beim Austritt aus der Spinnwarze durch Scherkräfte und chemische Veränderung fest. Für die verschiedenen Arten von Fäden werden in unterschiedlichen Spinndrüsen im Hinterkörper unterschiedliche Seidentypen erzeugt. Die Dicke der Fäden liegt zwischen einem Tausendstel und einem Hunderttausendstel Millimeter. Viele Radnetzspinnen fressen regelmäßig ihr eigenes Fangnetz um aus den Abbauprodukten wieder ein neues Netz zu bauen.

Nutzung von Spinnseide

Spinnfäden sind unerreicht von allen biologischen und den meisten technischen Materialien bezüglich Festigkeit, Elastizität und Zähigkeit (Energieaufnahme), bei gleichzeitiger Leichtigkeit. Spinnfäden sind ähnlich reißfest wie Nylon, aber etwa doppelt so dehnbar.

Interessant sind die Seiden auch, weil sie bei Raumtemperatur aus Wasser und nicht aus toxischen Materialien gebildet werden, außerdem weil sie biokompatibel (z.B. als Implantate) sind. Manche Fäden können reversibel um 300% gedehnt werden ohne zu reißen.

Es bestehen aber große Unterschiede zwischen den Spinnseiden der Spinndrüsen verschiedener Spinnen(-taxa). Gut untersucht sind die Funktionen und Eigenschaften dabei nur bei wenigen Arten, meist großen Radnetzspinnenarten der Gattungen Nephila, Argiope und Araneus, da diese relativ viel Seide produzieren. Als potentielle Modellorganismen für Spinnseidenproduktion kommen Latrodectus hesperus, Parasteatoda tepidariorum und Cupiennius salei in Frage, weil sie kleine Genomgrößen haben und leicht zu züchten sind.

Vor der Ära der Kunstfasern gab es Versuche, Spinnenfäden zur Herstellung von Textilien zu gewinnen. Einzelne sehr kostbare Kleidungsstücke wurden angefertigt. Die aufwändige Züchtung der Spinnen und mühsame Gewinnung der Seide verhinderte eine industrielle Produktion von Textilien.

Inzwischen gibt es Versuche Spinnseide von genetisch veränderten Bakterien oder Zwergziegen erzeugen zu lassen. Die richtigen Eiweisse konnten bereits künstlich erzeugt werden doch die Bildung von Fäden daraus ist bisher nur eingeschränkt gelungen.

Wie werden die Netze gebaut?

Der Bau eines Spinnennetzes verläuft immer nach einem bestimmten Muster und ergibt artspezifische Netze. Bestimmte   Netztypen sind charakteristisch (und namengebend) für bestimmte Spinnenfamilien – z.B. Radnetzspinnen (Araneidae), Baldachinspinnen (Linyphiidae). Nicht alle Fangnetztypen enthalten Leimfäden wie bei den Radnetzen.

Um ein Netz zu bauen können Spinnen Fäden „ins Leere“ erzeugen, vom Luftstrom verdriften lassen und wenn das freie Ende sich an einem Gegenstand verfängt, hat die Spinne einen Brückenfaden als Ausgangspunkt für ein Netz.

Die Grösse der Netze kann von kaum einem Zentimeter bis über 25 m betragen. Die grössten bekannten Netze stammen von der Darwin’schen Rindenspinne auf Madagaskar mit bis zu 25 m Spannweite über Flüsse.
 Es gibt auch “soziale” Spinnenarten, bei denen ein ganzes “Volk” Äste von Sträuchern bis zu ganzen Baumkronen mit einem Fangnetz überziehen. Rund die Hälfte aller Spinnenarten verzichten auf den Bau von Netzen. Sie fangen ihre Beute schleichend, rennend oder lauernd.

Wie fliegen Spinnen?

Spinnen können sich nicht nur laufend fortbewegen, sondern auch mit einem “Fadenfloss” fliegen. Bei kleinen Spinnen genügt die Reibung zwischen einem losen Spinnfaden und einer schwachen Luftströmung um sie davon zu tragen. Tatsächlich fliegen sie also nicht gerichtet, sondern lassen sich verdriften und können sich so verbreiten und neue Lebensräume besiedeln. Im sogenannten Altweibersommer segeln so Tausende von (Jung-) Spinnen durch die Luft. Grosse Spinnen sind dafür meist zu schwer.

Besonderheiten der Fortpflanzung bei Spinnen

Erwachsene Spinnen-Männchen bauen zuerst ein Sperma-Netz, bevor sie auf die Suche nach Weibchen gehen. Darauf geben sie aus der Geschlechtsöffnung am Hinterleib einen Tropfen Sperma ab, den sie dann mit ihren zum sekundären Begattungsorgan umgebauten Tastern (Pedipalpen) aufnehmen. Wenn sie ein Weibchen gefunden haben, muss dieses mit einer mehr oder weniger aufwändigen Balz überzeugt werden eine Begattung zuzulassen. Ist dies gelungen, werden die häufig mit vielen Haken und anderen Strukturen ausgestatteten Taster als “Schlüssel” für das entsprechende artspezifische “Schloss” (Epigyne) der Weibchen verwendet. Erst wenn Schlüssel und Schloss passen, ist eine erfolgreiche Spermaübertragung gesichert.

Erstaunlicherweise können die Weibchen durch komplexe Vorgänge zwischen dem Sperma verschiedener Partner wählen. Kommt es zur Befruchtung der Eier, kann ein Weibchen je nach Art, wenige bis über 2000 Eier legen, die sie mit Spinnseide zu einem Kokon gesponnen, schützt. Der Eikokon wird von vielen Arten an einer geeigneten Stelle abgelegt oder aufgehängt, einige Weibchen bewachen ihn bis zum Schlüpfen der Jungspinnen. Andere Arten tragen ihre Eikokons an den Spinnwarzen befestigt oder mit den Kiefern oder Tastern mit sich und schützen so ihre Nachkommen.

Morden alle Spinnen ihre Männer?

Bekannt sind die männermordenden “Schwarzen Witwen”. Bei den meisten Spinnenarten trennen sich die Partner allerdings nach der Paarung friedlich. Es gibt jedoch Arten, bei denen die Männchen regelmäßig während oder nach der Paarung zum gefundenen Fressen werden. Bei vielen dieser Arten sind die Männchen deutlich kleiner als die Weibchen. Grundsätzlich haben Spinnenmännchen häufig nach der Suche nach Weibchen ohne eigenen Nahrungserwerb nur noch wenig Reserven und deshalb nur geringe Aussichten weiter zu leben. Sie sterben deshalb meist nach der Fortpflanzung. Wenn sie vom Weibchen gefressen werden ist also ihr Tod der eigenen Art noch von Nutzen, die Weibchen verwenden die zusätzliche Nahrung direkt für die Versorgung des gemeinsamen Nachwuchses.

Entwicklung und Lebenskreislauf der Spinnen

Wenn junge Spinnen aus dem Ei schlüpfen, sehen sie schon wie Spinnen aus, nur sind sie noch winzig und fast durchsichtig mit dünner, wenig ausgehärteter Haut. Wegen ihres starren Außenskeletts aus Chitin müssen sich Spinnen, wie andere Gliederfüßer, im Laufe ihres Wachstums zur erwachsenen Spinne mehrmals häuten – kleine Arten etwa viermal, größere Arten häufiger, Vogelspinnen, die sich als einzige auch als Erwachsene (die Weibchen) häuten bis zu 20 mal.

Die meisten Arten vollenden ihren Lebenszyklus innerhalb eines Jahres. Kleine Arten können bis zu drei Generationen in einem Jahr haben. Größere Arten benötigen teilweise zwei Jahre bis sie erwachsen sind. Nur wenige Arten werden mehrere Jahre alt. Bekannte Rekordhalter sind eine Vogelspinne, die in Gefangenschaft 27 Jahre alt wurde und eine Falltürspinne die in der Natur 27 Jahre lang beobachtet wurde.

In unseren Breiten überwintern die Spinnen je nach Lebenszyklus gut geschützt als Eier im Kokon oder versteckt an geschützten Stellen als Jungtiere oder Erwachsene.

Sind Spinnen Kannibalen?

Die meisten Spinnen sind Einzelgänger. Ausnahmen sind frisch geschlüpfte Spinnen, die noch einige Tage oder Wochen mit ihren Geschwistern zusammen leben. Danach suchen sich die einzelnen Tiere ihren eigenen Lebensraum. Bis auf die kurze Zeit der Fortpflanzung werden alle von ihrer Größe her in Frage kommenden Gliederfüßler als Beute betrachtet, dazu gehören auch Spinnen der eigenen Art.

Lediglich bei einem oder zwei Dutzend Arten (sub-)tropischer “sozialer” Spinnen (z.B. Stegodyphus- oder Anelosimus-Arten) baut ein “Spinnenvolk” (Population) gemeinsam ein Fanggewebe und teilt sich auch die Beute. Ähnliches ist auch von einer einheimischen Zwergspinnenart bekannt.

Bedeutung der Spinnen als Räuber

Spinnen existieren seit etwa 350 Millionen Jahren und sind heute sehr artenreich weltweit verbreitet. Zu diesem evolutionären Erfolg der Spinnen hat das sehr früh entwickelte Spinnvermögen sicher ganz wesentlich beigetragen.

Ökologisch stellen die Spinnen ebenfalls eine sehr erfolgreiche Gruppe von Räubern in allen Landlebensräumen dar. Ihre Vorliebe für Insekten kommt ganz sicher auch den Menschen zu Gute, da sie in ihrer Gesamtheit riesige Mengen vertilgen. Darunter sind auch viele Insektenarten, die z.B. in unseren landwirtschaftlichen Flächen als Schädlinge auftreten. Für einige Lebensräume wurden schon über eine Million Spinnen pro Hektar errechnet, die über eine Milliarde Insekten erbeuten und damit rund 50 Tonnen pro Jahr.

Spinnen als Zeiger

Nicht alle Spinnenarten sind überall zu finden oder sind gleich häufig in einem bestimmten Lebensraum. Einige kommen fast überall (innerhalb einer biogeographischen Region) vor, andere Arten haben so spezifische Ansprüche, dass sie nur in bestimmten Lebensräumen (Biotopen) vorkommen. In Mitteleuropa sind heute viele Biotoptypen selten geworden und in ihrer Fläche begrenzt und ihrem Zustand beeinträchtigt (z.B. Moore, offene Dünenlandschaften). Entsprechend kommen Spinnenarten mit besonderen Ansprüchen an die Austattung oder das Klima in einem Lebensraum nur noch an wenigen Orten vor. Insgesamt verändert sich damit auch die Artenzusammensetzung an einem Standort – die Spinnengemeinschaft mit Veränderungen der Landschaft und Umwelt. Damit eignen sich Spinnen recht gut zur Beurteilung des Zustands von Lebensräumen. Auf einem intensiv bewirtschafteten Acker kommen nur etwa 20-40 Spinnenarten vor, an einem Waldrand oder in naturnahen Wäldern können es bis zu 200 Arten sein!

Spinnen als Hausbewohner

Unsere Wohnungen werden meist nur von wenigen Spinnenarten als Lebensraum benutzt. Das sind in der Regel solche, die in unserem (Jahreszeiten-) Klima nicht über längere Zeit im Freien überleben können, daneben solche die sich „versehentlich“ im Sommer und Herbst einfinden. Die meisten Spinnen kommen nicht mit den klimatischen und Ernährungsbedingungen in Häusern zu recht und sterben spätestens, wenn die Heizungen eingeschaltet werden und deshalb die Luft für Spinnen zu trocken wird. Keller oder Schuppen bieten dagegen vor allem höhlenbewohnenden Spinnenarten einen geeigneten Ersatz-Lebensraum. Auch besonnte Hauswände oder naturnahe Gärten liefern vielen Arten einen geeigneten Lebensraum.

Angst vor Spinnen

Es gibt Völker, die keine Angst vor Spinnen haben, und solche, denen Spinnen heilig sind. Fachleute sind der Meinung, dass Spinnenangst (Arachnophobie) eine Urangst sei, die nur zum Vorschein kommt, wenn es einen Auslöser dafür gibt. Dies ist meistens die vorgelebte Angst vor Spinnen von Mitmenschen. Denn Angst vor Spinnen als Schutz vor einer drohenden Gefahr macht in den meisten Teilen der Erde keinen Sinn.

Weiterführende Literatur

Immer noch unverzichtbar für jede Beschäftigung mit den Spinnen ist das Buch Biologie der Spinnen von Rainer F. Foelix (1992 erschienen im Thieme Verlag, 2011 in einer neuen englischen Version: Biology of Spiders, Oxford University Press).

Hervorragende Übersichtsartikel (in englisch) zum Stand der Forschung zu Spinnen in den Bereichen Biodiversität, Systematik, Ökologie und Biogeographie, Genetik, Verhalten, Spinnseide und Paläontologie finden sich im kürzlich (2013) erschienenen Buch: Spider Research in the 21st Century – trends & perspectives, Siri Scientific Press, Manchester, UK.

Weitere empfehlenswerte Lehrbücher zu einzelnen Aspekten und Themen:

Sinne und Verhalten: aus dem Leben einer Spinne von Friedrich G. Barth (2001), Springer Verlag, Berlin.

Spiders in ecological webs von David H. Wise (1993), Cambridge University Press.

Ecophysiology of Spiders herausgegeben von Wolfgang Nentwig (1987), Springer Verlag, Berlin.

In unserer Fachzeitschrift Arachnologische Mitteilungen finden sich wissenschaftlich fundierte und gutachtergeprüfte Artikeln zu Spinnentieren in deutscher und englischer Sprache. Populärwissenschaftliche Artikel zu Spinnenfaunen, biologischen und terraristischen Aspekten finden sich in der Zeitschrift Arachne der DeArGe.