Die Gartenkreuzspinne –

Araneus diadematus Clerck, 1758

 

Sie zählt wohl zu den bekanntesten Spinnen überhaupt: die Gartenkreuzspinne. Dies belegen auch die Hits in der Suchmaschine „Google“: Es sind (zumindest auf www.google.at, Stand 14.11.2009) ungefähr 166.000 für den deutschen Namen Gartenkreuzspinne bzw. 57.100 für die wissenschaftliche Bezeichnung Araneus diadematus (lat. Araneus = Spinne, diadematus = mit einer Kopfbinde geschmückt).

Bild: © Heiko Bellmann

Die Gartenkreuzspinne gehört zu der Familie der Radnetzspinnen (Araneidae), die weltweit mit knapp 3.000 Arten, in Mitteleuropa mit ungefähr 50 Arten, vertreten ist. Dazu zählen mittelgroße bis große Arten (Weibchen 10-18 mm, Männchen 5-9 mm) mit stark bestachelten Beinen. Die ortstreuen Spinnen bauen typische Radnetze mit einer Klebfadenspirale als Fangfaden. Weitere bekannte Vertreter sind die Vierfleck-Kreuzspinne Araneus quadratus, die Marmorierte Kreuzspinne Araneus marmoreus oder auch die Brückenkreuzspinne Larinioides sclopetarius.

Die Gartenkreuzspinne selbst weist immer die charakteristische namengebende Kreuzzeichnung am Hinterleib auf. Dieses Muster setzt sich aus 5 weißen Flecken (4 länglichen und 1 rundlichen, in der Mitte liegenden) zusammen – teilweise mit fließenden Übergängen – und beruht auf dem Durchschimmern oberflächennaher Ablagerungen von Guanin, einem Stoffwechsel-Endprodukt. Meist findet sich auf dem Rücken des Hinterleibs auch noch eine mehr oder weniger deutliche Blattzeichnung, die oft seitlich begrenzt ist. Der Hinterkörper ist im vorderen Drittel am breitesten (dadurch erscheint der Vorderrand etwas eckig) im Gegensatz zu ähnlichen Arten wie A. quadratus oder A. marmoreus – hier ist die größte Breite ungefähr in der Mitte, wodurch der Vorderrand rundlich erscheint. Die Färbung selbst ist sehr variabel und reicht von gelblich über rötlich bis hin zu mannigfaltigen Braun-Variationen. Das Männchen erreicht 5-10, das Weibchen 12-17 mm Körperlänge.

Die Gartenkreuzspinne baut ihr großes kreisförmiges Radnetz meist in Bodennähe oder an den unteren Zweigen von Bäumen und Sträuchern. Im Gegensatz zu anderen Araneus-Arten hält sich A. diadematus tagsüber meist im Netzzentrum (unterhalb der Nabe) auf. Ein Schlupfwinkel neben dem Netz fehlt im Allgemeinen, kann aber gelegentlich auch vorhanden sein.

Radnetze stellen die bekannteste Form des Spinnennetzes dar. Vergleichsweise wenig Spinnmaterial bildet eine große Fangfläche. Es benötigt nur wenige Anheftungspunkte, ist aber fest und flexibel zugleich. Signale von einem im Netz zappelnden Insekt werden auf direktem Weg zum Zentrum des Netzes (oder aber zum Schlupfwinkel neben dem Netz, je nachdem wo die Spinne lauert) übertragen. Durch die spezielle (geometrische) Anordnung der Spinnfäden kann sich die Spinne orientieren und bewegen ohne mit den eigenen Fangfäden in Berührung kommen zu müssen. Auch wird das Netz regelmäßig erneuert, indem die Spinne das alte Netz einfach auffrisst, um die wertvollen „Baustoffe“ (Proteine) wieder zu verwerten! Ein weiterer Spinnfadentyp wird zum Herstellen von Eikokons (zum Schutz der Nachkommen) verwendet: Im September und Oktober stellt das Weibchen an verborgenen Stellen mehrere Eikokons aus gelber Fadenwolle her. Die Jungen verlassen diesen erst nach der Überwinterung und reifen bis zum Spätsommer wieder zu erwachsenen Spinnen heran. Die Art erreicht in der Regel ein Alter von zwei Jahren.

Die Gartenkreuzspinne besiedelt zahlreiche und verschiedenartige Lebensräume, von Waldrändern über Wiesen bis hin zu unseren Gärten. Damit sollte es nicht schwer fallen, sie bei einem gemütlichen Spaziergang anzutreffen und das Netz – wahrlich ein Meisterwerk der Natur – zu bewundern. Denken Sie auch daran, vor wie vielen lästigen Fliegen, Mücken und andere Insekten uns dieses Netz bewahrt. Betrachten wir die Gartenkreuzspinne im Speziellen, aber Spinnen allgemein als Nützlinge!

Text: Christoph Hörweg

Bild: © Christian Komposch, Ökoteam Graz

Kontakt

Österreich, Deutschland:

Mag. Christoph Hörweg, Naturhistorisches Museum Wien, 3. Zoologische Abteilung, Burgring 7, A-1010 Wien, Österreich E-Mail: christoph.hoerweg (at) nhm-wien.ac.at

Europa:

Dr. Milan Řezáč, Department of Zoology, Charles University, Vinicna 7, 128 44 Praha 2, Czech Republic, eMail: rezac (at) vurv.cz

Beteiligte Länder (Anzahl Länder: 21, Anzahl Jurymitglieder: 78): Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn.

Unterstützende Gesellschaften:

Verbreitungskarten und Fotogalerien


Literatur

Bellmann H. (2006): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas.– 3. Auflage, Stuttgart, Kosmos, 304pp.

Blick T., Bosmans R., Buchar J., Gajdoš P., Hänggi A., van Helsdingen P., Ružicka V., Starega W. & Thaler K. (2004): Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Version 1. Dezember 2004. – Internet:http://www.arages.de/checklist.html#2004_Araneae

Foelix R.F. (1992): Biologie der Spinnen. – 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 331pp.

Hänggi A., Stockli E. & Nentwig W. (1995): Lebensraume mitteleuropäischer Spinnen. Charakterisierung der Lebensräume der häufigsten Spinnenarten Mitteleuropas und der mit diesen vergesellschafteten Arten. Miscellanea Faunistica Helvetiae, 4: 459pp.

Heimer S. & Nentwig W. (1991): Spinnen Mitteleuropas. – Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg, 543pp.

Reichholf J.H. & Steinbach G. (1992): Die grosse Enzyklopädie der Insekten, Spinnen- und Krebstiere. Band 1. – Bertelsmann Lexikon Verlag, München: 360pp.

Sauer F. & Wunderlich J. (1991): Die schönsten Spinnen Europas. Fauna-Verlag, Karlsfeld, 4. Auflage, 202pp.

Staudt A. (2009): Nachweiskarten der Spinnentiere Deutschlands (Arachnida: Araneae, Opiliones, Pseudoscorpiones). – Internet: http://www.spiderling.de/arages; bzw. für A. diadematus:http://www.spiderling.de/arages/Verbreitungskarten/Karte1.php?Art=64

Steiner E. (2007): Spinnen – Leben am seidenen Faden. – Niederösterreichisches Landesmuseum, St. Pölten, Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung, 82pp.