Die Konusspinne –

Cyclosa conica (Pallas, 1772)

 

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Foto: André Hermans (ARABEL)

 

Die Konusspinne, Cyclosa conica (Pallas, 1772), gehört zur Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae). Diese Spinnenfamilie hat weltweit über 3.000 Arten, in Europa 131. Die Gattung Cyclosa selbst ist mit nur 2 Arten in Mitteleuropa vertreten. Nach 2001 (Wespenspinne) und 2010 (Gartenkreuzspinne) wurde damit erneut ein Vertreter der Radnetzspinnen gewählt, sicher auch bedingt durch die auffällige Netzgestaltung.

Text: Christoph Hörweg

Information

Beschreibung

Die Spinne ist durch ihren konischen Hinterleib sehr auffällig. Die Körperlänge beträgt bei den Weibchen 6–8 mm, Männchen sind mit 4–4,5 mm um einiges kleiner; die Art zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Der Vorderkörper ist durchgehend dunkelbraun-schwarz, die Beine sind dunkelbraun-schwarz geringelt. Der Hinterkörper ist variabel gefärbt, dorsal dunkel rotbraun-schwarz, oft mit weißer Zeichnung, ventral dunkelbraun mit zwei weißen Längsflecken und hinten mit einem dorsalen Höcker (namensgebend!), der die Spinnwarzen überragt.

Verbreitung

Die Konusspinne kommt in ganz Europa vor und ist auch sehr häufig. Cyclosa conica lebt in Nadelwäldern, aber auch an Waldwegen und in Trockenrasen. In Österreich wie auch in ganz Mitteleuropa ist die Art nicht gefährdet. Ein gesetzlicher Schutz für diese Spinnenart besteht nicht.

Biologie und Ökologie

Die Konusspinne webt ein kreisförmiges, sehr regelmäßiges engmaschiges Radnetz, worauf der Gattungsname „Kreisspinnen“ Bezug nimmt, und es ist meist etwa 1,5m über dem Boden zu finden. In der Mitte des Netzes wird ein dicht gesponnenes senkrechtes Band (Stabiliment) eingebaut, auf dem die Spinne sitzt und in das oft Pflanzenteile und Beutereste eingewebt werden. Daher werden diese Spinnen im Englischen auch „trash line spiders“ genannt. Bei Störung versetzt die Konusspinne das Netz in Schwingungen, sodass ihre Umrisse verschwinden. Diese Art kann von Frühling bis Herbst (März/April bis September/Oktober) gut beobachtet werden. In diesem Zeitraum sind auch beide Geschlechter aktiv. Die Eiablage erfolgt im Hochsommer an einem Zweig in der Nähe des Netzes, wobei der Eikokon von gelblich schimmernden Fadenschlingen umwoben wird.

Warum wurde die Konusspinne zur Europäischen Spinne des Jahres gewählt?

Der Hauptgrund ist wohl die Auffälligkeit dieser Art. Durch den konischen Hinterleib ist sie gut zu erkennen, und auch das sehr regelmäßige engmaschige Netz mit einem Stabiliment erleichtert die Zuordnung. Dadurch können Fundmeldungen auch anhand eines Fotos bestätigt werden; zudem kann die Spinne beinahe das ganze Jahr über beobachtet werden.

Kontakt

Österreich, Deutschland

Mag. Christoph Hörweg, Naturhistorisches Museum Wien, 3. Zoologische Abteilung, Burgring 7, A-1010 Wien, Österreich. E-Mail: christoph.hoerweg (at) nhm-wien.ac.at

Europa

Dr. Milan Řezáč, Biodiversity Lab, Crop Research Institute, Drnovská 507, 161 06 Praha 6 – Ruzyně, Czech Republic. E-Mail: rezac (at) vurv.cz

Beteiligte Länder

Gewählt wurde die „Europäische Spinne des Jahres“ von 78 Arachnologen aus 26 europäischen Ländern: Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn.

Die Koordination der Wahl liegt beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).

Unterstützende Gesellschaften

Arachnologische Gesellschaft e.V. AraGes www.arages.de

Belgische Arachnologische Vereniging/Société Arachnologique de Belgique ARABEL www.arabel.ugent.be

The British Arachnological Society (BAS) www.britishspiders.org.uk

The Czech Arachnological Society (CAS) www.arachnology.cz

European Invertebrate Survey-Nederland, Section SPINED science.naturalis.nl/research/people/cv/eis/helsdingen/spinnen

European Society of Arachnology ESA www.european-arachnology.org

Grupo Ibérico de Aracnología (GIA) – Sociedad Entomológica Aragonesa (SEA) www.sea-entomologia.org/gia/

Naturdata – Biodiversidade online www.naturdata.com

Literatur

– Bellmann H 2006 Kosmos-Atlas der Spinnentiere Europas – 3. Auflage. Kosmos Stuttgart. 304 pp.

– Blick T, Bosmans R, Buchar J, Gajdoš P, Hänggi A, Helsdingen P van, Růžička V, Staręga W & Thaler K 2004 Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Version 1. Dezember 2004 – (PDF)

– CSCF (Centre Suisse de Cartographie de la Faune) 2014 Fauna der Schweiz – Spinnentiere oder Arachniden (Skorpione, Pseudoskorpione, Spinnen, Weberknechte, Milben) – (link) bzw. Verbreitungskarte für C. conica: (link) (16. Dezember 2015)

Hänggi A, Stöckli E & Nentwig W 1995 Lebensräume mitteleuropäischer Spinnen. Charakterisierung der Lebensräume der häufigsten Spinnenarten Mitteleuropas und der mit diesen vergesellschafteten Arten – Miscellanea Faunistica Helvetiae 4: 1-459

– Helsdingen PJ van 2014 Araneae. In: Fauna Europaea Database (Version 2014) – (link) (16. Dezember 2015) bzw. (link) (16. Dezember 2015)

– Nentwig W, Blick T, Gloor D, Hänggi A & Kropf C 2015 araneae – Spiders of Europe, version 01.2015 – (link) (26. Januar 2015)

– Reichholf JH & Steinbach G 1997 Die grosse Enzyklopädie der Insekten, Spinnen- und Krebstiere, Band 1. Bertelsmann Lexikon Verlag Gütersloh. 360 S.

– Staudt A 2015 Nachweiskarten der Spinnentiere Deutschlands (Arachnida: Araneae, Opiliones, Pseudoscorpiones) für Cyclosa conica – (link) (16. Dezember 2015)

– Thaler K & Knoflach B 2003 Zur Faunistik der Spinnen (Araneae) von Österreich: Orbiculariae p.p. (Araneidae, Tetragnathidae, Theridiosomatidae, Uloboridae). – Linzer biologische Beiträge 35: 613-655

– Tso IM 1998 Stabilimentum-decorated webs spun by Cyclosa conica (Araneae, Araneidae) trapped more insects than undecorated webs. – The Journal of Arachnology 26: 101-105

– World Spider Catalog 2015 World Spider Catalog, version 16.0. Natural History Museum Bern – (link) (26. Januar 2015