Arachnologische Gesellschaft

Blockhaldenwolfspinne im Nordschwarzwald

Acantholycosa norvegica sudetica stellt eine Besonderheit der Spinnenfauna des Schwarzwaldes dar.

Blockhaldenwolfspinne

Hochgelegene Blockhalde im Schwarzwald

Blockhalde im Schwarzwald

Weibchen mit Eikokon

Acantholycosa norvegica sudetica stellt eine Besonderheit der Spinnenfauna des Schwarzwaldes dar. Die (Unter-) Art ist an den Lebensraum Blockhalde in den Mittelgebirgen Mitteleuropas gebunden. Mit einer Körperlänge von 7 bis 10 mm gehört die Blockhalden-Stachelwolfspinne zu den großen Vertretern der Wolfspinnen und der einheimischen Spinnen überhaupt.

Die Blockhalden-Wolfspinnen exponieren sich an sonnigen Tagen auf der Oberfläche der Felsblöcke,  hier fallen besonders die Weibchen mit ihrem türkis-blauen Eikokon auf. Sonst sind die Spinnen durch ihre kontrastreiche Zeichnung auf den Steinen sehr gut getarnt. Bei Störung verschwinden sie blitzschnell auf der abgewandten Seite der Steine oder im Lückensystem der Halde. Die Männchen sind etwas kleiner, aber langbeiniger.

Im Rahmen einer Masterarbeit konnten Blockhalden-Stachelwolfspinnen in 13 untersuchten Halden im Nordschwarzwald regelmäßig und häufig nachgewiesen werden. Sie scheinen dort Halden unterschiedlicher Geologie, Lage und Größe zu besiedeln. Nach bisherigen Kenntnissen meidet die Art lediglich bewaldete Halden (Blockwälder) und stark beschattete Bereiche der Halden. Vermutlich ist die Art aber auf luftdurchströmte Blockhalden beschränkt, in denen in der Tiefe ausgeglichene Temperaturen herrschen, während auf der Oberfläche enorme Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht auftreten.

Die Nominatart Acantholycosa norvegica norvegica kommt in Nordeuropa und bis nach Ostsibirien oberhalb der Baumgrenze auf Felsblöcken vor. Bei der Unterart Acantholycosa norvegica sudetica handelt es sich vermutlich um Reliktpopulationen aus der letzten Eiszeit, die heute ausschließlich in Mitteleuropa, vom Riesengebirge im Osten bis zu den Nordalpen und dem Schweizer Jura im Westen vorkommen. Bekannt waren bisher Vorkommen im Fichtelgebirge, im Harz und im Südschwarzwald.

In der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands ist die Unterart für Bayern und Niedersachsen als stark gefährdet (Kategorie 2) eingestuft. In Baden-Württemberg wurde sie bisher als extrem selten (Kategorie R) betrachtet. Für die isolierten Populationen der Blockhalden-Stachelwolfspinne ist Deutschland nach den Kriterien des Bundesamtes für Naturschutz in hohem Maß verantwortlich. Deshalb ist es erfreulich, dass ein großer Teil der Blockhalden im Nordscharzwald im Nationalpark Schwarzwald liegt udn gut geschützt ist.

Beteiligte Wissenschaftler: Laura Kastner, Dr. Hubert Höfer (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe), Dr. Jörn Buse (Nationalpark Schwarzwald).