Arachnologische Gesellschaft

Spinne des Jahres 2017

Die Spaltenkreuzspinne Nuctenea umbratica (Clerck, 1757)

gehört zur Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae). Diese Spinnenfamilie zählt weltweit 3.095 und in Europa 128 Arten. Die Gattung Nuctenea ist in Mitteleuropa mit 2 Arten vertreten.

Warum wurde die Spaltenkreuzspinne zur Europäischen Spinne des Jahres gewählt?
Dafür gibt es mehrere gute Gründe:

  1. Die Art ist relativ häufig,
  2. ist trotz der versteckten Lebensweise in der Nähe von Häusern leicht zu entdecken,
  3. ist durchaus auffällig und eindeutig zu erkennen, und
  4. rückt als ursprünglicher Rindenbewohner den Lebensraum Totholz/Altbaumbestand in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Text: Christoph Hörweg

Foto: Paul & Marianne Wouters-Horemans (ARABEL)

Informationen zur Art

Beschreibung

Die Radnetzspinne Nuctenea umbratica weist einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf; die Körperlänge beträgt bei Weibchen 13-16 mm, bei Männchen hingegen lediglich 7-10 mm. Der Körper wirkt flachgedrückt und breit. Die Grundfärbung ist rotbraun bis schwarzbraun, die Beine sind dunkelbraun, und auf dem Hinterleib ist eine dunkle Blattzeichnung zu erkennen, die manchmal hell eingefasst sein kann. Nuctenea umbratica wird mitunter mit dunklen Tieren von Larinioides ixobolus verwechselt, ist aber im Vergleich dazu wirklich glänzend schwarz und auch die Blattzeichnung ist stärker (hell) abgesetzt. Jungtiere der Spaltenkreuzspinne können der kleineren (Körperlänge bis 9mm), aber ungemein selteneren Nuctenea silvicultrix ähneln. Diese Art ist aber eher östlich verbreitet und unterscheidet sich durch ihre helleren Seiten und ihren rundlicheren Hinterleib.

Beschreibung von Nuctenea umbratica in „araneae - Spiders of Europe” (Uni Bern)

Beschreibung von Nuctenea umbratica im Spinnen Forum Wiki

Verbreitung

Die Spaltenkreuzspinne kommt in ganz Europa vor. Ihre Vertikalverbreitung ist vornehmlich planar/kollin (bis 800m Seehöhe) mit nur vereinzelten Funden darüber, z.B. in Tirol bis 1000m Seehöhe. Sie bewohnt verschiedene Lebensräume: ursprünglich ein Rindenbewohner, besonders von stehendem Totholz mit loser Baumrinde, findet man sie heute auch in urbanem Gebiet an Hausfassaden und Zäunen, gerne in Ritzen und Spalten (Name!) von Häusern. Sie kann stellenweise auch sehr häufig angetroffen werden, und gilt die Art in Österreich ebenso wie in ganz Mitteleuropa als nicht gefährdet. Ein gesetzlicher Schutz für diese Spinnenart besteht nicht.

Biologie und Ökologie

Nuctenea umbratica baut ein vergleichsweise großes Radnetz (bis 70 cm im Durchmesser) mit einer exzentrischen Form, d.h. die Nabe ist immer zum Schlupfwinkel hin verschoben. Darin hält sich die Spinne untertags verborgen, bei Dunkelheit bzw. in der Nacht sitzt sie in der Netzmitte. Spaltenkreuzspinnen sind fast immer ganzjährig zu finden, vorwiegend aber von Juli bis Oktober.

Text: Christoph Hörweg

Verbreitungskarten

Bilder

Männchen
Typisches Versteck der Spaltenkreuzspinne